Alleinreisen kann ziemlich angenehm sein, wenn man gerne für sich ist. Morgens losziehen, wann man möchte, drei Stunden lang gemütlich in einem Café sitzen oder seine Pläne spontan für den ganzen Tag umwerfen – niemand wartet und niemand möchte ausgerechnet heute etwas völlig anderes machen.
Trotzdem machen gerade die Begegnungen mit anderen Menschen eine Reise zu einem besonderen, oft unvergesslichen Erlebnis. Das kann ein lustiger Abend mit anderen Reisenden sein, ein Gespräch im Zug oder eine Begegnung mit Einheimischen, durch die man einen Ort oder eine Region noch einmal ganz anders kennenlernt.
Wer introvertiert und damit häufig auch gerne allein ist, zieht sich öfter mal zurück. Manchmal ist das notwendig und hilfreich, manchmal wäre es vielleicht schöner gewesen, doch noch mitzugehen oder selbst ein Gespräch anzufangen. Umgekehrt kann ein Tag mit einer Gruppe großartig sein und am Abend reicht es dann auch wieder mit Gesellschaft.
Wie viel davon angenehm ist, ist sehr individuell. Introvertiert zu sein bedeutet schließlich weder, Menschen nicht zu mögen, noch ständig allein sein zu wollen. Ein paar Dinge können aber helfen, auf einer Alleinreise eine gute Balance zwischen beidem zu finden.
1. Die Unterkunft bewusst wählen
Hostels oder auch Jugendherbergen sind vor allem für Alleinreisende eigentlich ein toller Ort, um mit anderen in Kontakt zu kommen, etwas gemeinsam zu unternehmen oder um sich einfach nicht allein zu fühlen. Das Problem ist hier allerdings: im Schlafsaal mit meist 3-7 anderen Leuten ist der oft gesuchte Rückzug nur schwer möglich. Daher kann ein Einzelzimmer eine gute Zwischenlösung sein, sofern das Budget es zulässt. Damit hat man seinen eigenen Rückzugsort und kann trotzdem jederzeit in den Gemeinschaftsraum gehen oder sich einer Tour anschließen.
Auch kleinere Guesthouses mit gemeinsamen Bereichen, Zimmer in AirBnbs oder Couchsurfing-Plätzen funktionieren oft gut, wobei weniger die Art der Unterkunft entscheidend ist als die Frage, ob man dort Kontakt haben und sich zurückziehen kann, wenn man Ruhe braucht. Diese Entscheidung bewusst zu treffen, statt sie dem Zufall zu überlassen, macht einen großen Unterschied für die eigene Reiseerfahrung.

2. Sich selbst gelegentlich einen Schubs geben
Wer als Introvertierte gut allein sein kann, hat unterwegs einen klaren Vorteil, denn die Wahrscheinlichkeit, sich einsam zu fühlen, ist vermutlich geringer. Gleichzeitig kann man es sich damit aber auch ziemlich bequem machen. Wenn man entspannt mit seinem Kaffee dasitzt und keine Lust hat, die Menschen am Nachbartisch anzusprechen, oder jemand fragt, ob man später mitkommen möchte, ist der erste Impuls vielleicht: Eigentlich bin ich mit meinem eigenen Programm ganz zufrieden.
Manchmal lohnt es sich trotzdem, sich einen kleinen Schubs zu geben. Begegnungen mit Einheimischen und anderen Reisenden machen einen wichtigen Teil des Reisens aus. Und selbst wenn ein Gespräch mal nicht besonders spannend ist, kann daraus genauso gut ein Abend entstehen, den man allein nie erlebt hätte.
3. Erholung und Rückzugsmöglichkeiten von Anfang an mitdenken
Wenn man weiß, dass viel Gesellschaft mit der Zeit anstrengend wird und man zwischendurch immer wieder aufladen muss, sollte man das bereits bei der Planung berücksichtigen. Nach einem gemeinsamen Tagesausflug müssen nicht zwingend noch ein Abendessen und ein Barbesuch folgen. Und wenn man mehrere Tage mit anderen unterwegs ist, kann ein freier Tag dazwischen genau richtig sein.
Es geht dabei nicht um einen minutiös geplanten Erholungsplan, sondern darum, sich auf der Reise immer wieder Raum für sich selbst zu lassen. Wer solche Zeiten von vornherein einplant, wartet nicht erst, bis der Akku komplett leer ist. Und ganz nebenbei sind es manchmal gerade diese ungeplanten Stunden, in denen die schönsten Zufälle passieren.
4. Grenzen setzen, ohne sich ganz auszuklinken
Die Frage, ob man am Abend noch mitkommt, kann unterwegs überraschend schwierig sein. Vielleicht hat man durchaus Lust auf Gesellschaft, möchte aber nicht bis in die frühen Morgenstunden dabeibleiben. Die Entscheidung muss deshalb nicht immer zwischen Mitkommen und Absagen liegen.
Man kann auf einen Drink mitgehen und danach zurück in die Unterkunft fahren oder bei einem gemeinsamen Ausflug dabei sein und den Abend anschließend allein verbringen. Wer möchte, kann das auch direkt sagen: „Ich komme gerne mit, gehe aber nach dem ersten Drink zurück“ oder „Beim Ausflug bin ich dabei, danach mache ich mir einen ruhigen Abend.“
So hält man sich die Möglichkeit offen, Zeit mit anderen zu verbringen, ohne gleich den ganzen Abend oder Tag gemeinsam verbringen zu müssen.
5. Unter Menschen sein, ohne sich zu verausgaben
Es gibt viele Möglichkeiten, unterwegs Menschen um sich zu haben, ohne gleich einen ganzen Tag gemeinsam verbringen zu müssen – falls man das nicht möchte. Man kann sich zum Beispiel in ein belebtes Café setzen, an einem geführten Stadtrundgang oder Kochkurs teilnehmen oder eine Wanderung in kleiner Gruppe buchen.
Gerade auf einer längeren Alleinreise sind solche Unternehmungen schön, weil man für ein paar Stunden wieder Teil einer Gemeinschaft ist. Gespräche können entstehen, müssen es aber nicht, und anschließend kann man wieder allein weiterziehen. Für mich ist das eine der schönsten Arten zu reisen: Alles kann, nichts muss.

6. Kleine Gruppen wählen, bei große Gruppen selektieren
Auf einer Alleinreise kann es eine tolle Abwechslung sein, für einen oder gleich mehrere Tage eine Gruppentour zu buchen. In manchen Regionen ist das ohnehin sinnvoll, weil sie allein nur schwer oder sehr teuer zu bereisen wären. Bei anderen Erlebnissen macht es einfach Spaß, sie mit einem Guide und anderen Reisenden zu teilen – zum Beispiel bei Safaris, Wüstentrips, Segeltouren oder anderen Abenteuern.
Wenn die Wahl besteht, sind kleinere Gruppen oft angenehmer, weil sich Gespräche bei sechs Teilnehmenden während eines Ausflugs oder einer Wanderung leichter ergeben als in einer Gruppe mit vierzig Menschen. Gibt es nur eine größere Gruppe, kann man sich einfach auf ein paar Leute konzentrieren, mit denen man sich gut versteht. Meist bilden sich ohnehin recht schnell kleinere Grüppchen, denen man sich anschließen kann.
Introvertiert die eigene, individuelle Wohlfühl-Mischung finden
Introvertiert zu sein bedeutet weder, generell schüchtern zu sein, noch grundsätzlich wenig mit Menschen anfangen zu können. Die eine mag Hostels und braucht nur gelegentlich einen Abend für sich, die andere wohnt am liebsten allein und freut sich trotzdem regelmäßig über gemeinsame Unternehmungen.
Beim Alleinreisen lässt sich die Mischung aus Gesellschaft und Rückzug besonders gut selbst bestimmen. Mit der Zeit bekommt man meist ein immer besseres Gefühl dafür, wann Gesellschaft guttut, wann man eine Pause braucht und wann es sich lohnt, sich selbst einen kleinen Schubs zu geben.
Vielleicht ist das sogar eine der schönsten Seiten des Alleinreisens: Man kann einen Tag ganz für sich verbringen und am nächsten mit Menschen losziehen, die man gestern noch nicht kannte. Beides kann eine Reise besonders machen.









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