Mit 50 verändert sich nicht, wie wir als Frauen reisen können, aber vielleicht, wie wir reisen möchten. Ich merke das selbst: Ich muss nicht mehr möglichst viele Orte in kurzer Zeit sehen. Dafür sind mir schöne Unterkünfte, gutes Essen, Begegnungen, Wanderungen in der Natur und die Freiheit wichtiger geworden, eine Reise ganz nach meinen Vorstellungen zu gestalten.
Gleichzeitig wird es mit den Jahren nicht einfacher, jemanden zum Mitreisen zu finden, weil Freund:innen Partner oder Familie haben oder die Urlaubstermine nicht zusammenpassen. Oft lautet die Frage deshalb ganz einfach: Fahre ich allein – oder fahre ich gar nicht? Und wenn allein, welche Art von Alleinreisen passt dann zu mir?
Ich finde, wir sollten uns dann immer für das Ja entscheiden: Dann fahre ich eben allein. Hier sind einige Reisemöglichkeiten, die sich dafür anbieten.
1. Städtereise: ein guter Anfang
Ein paar Tage Paris, Barcelona, Kopenhagen oder Wien sind wahrscheinlich eine der unkompliziertesten Möglichkeiten, das Alleinreisen auszuprobieren. Die Reise ist überschaubar, tagsüber gibt es genug zu unternehmen, und allein im Café, Museum oder Restaurant zu sitzen, fällt in einer Großstadt kaum auf.
Gerade für die erste Reise würde ich mir ein Hotel in zentraler Lage suchen. Das kostet vielleicht etwas mehr, macht aber vieles einfacher: Man kann zu Fuß losziehen, kommt abends unkompliziert zurück und muss sich keine Gedanken über lange Wege machen. Mit den Jahren lernt man diesen Komfort ohnehin zu schätzen.

2. Pauschalreise: einfach mal nichts organisieren
Auch zwei Wochen Mallorca, Türkei oder Ägypten im Hotel sind eine Form des Alleinreisens – und möglicherweise eine ziemlich entspannte. Flug, Unterkunft und meist auch Transfer sind organisiert. Vor Ort kann man spontan entscheiden, ob man einen Ausflug macht, am Strand liegt oder sich für ein paar Tage einen Mietwagen nimmt. Gerade wenn eine komplett selbst organisierte Reise noch etwas Überwindung kostet, kann das ein guter Einstieg sein.
Der Haken liegt häufig beim Preis, denn ein Doppelzimmer allein zu nutzen, kann deutlich teurer werden. Außerdem würde ich bei der Hotelauswahl darauf achten, für wen das Hotel gedacht ist. Zwei Wochen zwischen Familien mit kleinen Kindern oder ausschließlich Paaren fühlen sich allein anders an als ein Hotel mit gemischtem Publikum, in dem auch andere Alleinreisende unterwegs sind.
3. Ferienwohnung oder Hotel an einem festen Ort
Alleinreisen muss überhaupt nicht bedeuten, ständig unterwegs zu sein. Eine Ferienwohnung am Meer, ein kleines Hotel in den Bergen oder ein Apartment mitten in einer Stadt können genauso Ausgangspunkt für eine Reise sein.
Der Vorteil ist, dass man erst einmal ankommt: kein ständiges Kofferpacken, keine neue Unterkunft alle zwei Tage und trotzdem die Möglichkeit, Tagesausflüge zu machen. Ich finde diese Art zu reisen inzwischen besonders angenehm, wenn ich eine Region wirklich kennenlernen möchte. Statt möglichst viele Orte abzuhaken, bleibt man länger und entwickelt irgendwann sogar ein kleines Gefühl von Alltag.
Bei einer Ferienwohnung sollte man allerdings wissen, dass man je nach Lage nur wenige oder gar keine Kontakte haben wird. In einem Hotel, Hostel oder einer Jugendherberge ist das anders. Hier hilft die Frage, ob ich lieber viel Zeit und Ruhe für mich haben möchte oder lieber allein unter Menschen bin, wo sich auch mal ein Gespräch ergeben kann.

4. Roadtrip: maximale Freiheit
Roadtrips sind für mich eine der schönsten Formen des Alleinreisens. Niemand diskutiert darüber, wann man losfährt, welche Musik läuft oder ob dieser kleine Umweg jetzt wirklich sein muss. Gefällt es irgendwo, bleibt man, und gefällt es nicht, fährt man weiter.
Diese Freiheit hat allerdings eine Kehrseite, denn man ist für alles allein verantwortlich: Navigation, lange Strecken, Parkplatzsuche, Mietwagen und mögliche Probleme unterwegs. Deshalb würde ich einen Roadtrip allein anders planen als zu zweit, mit weniger Kilometern, weniger Stationen und genug Zeit dazwischen, damit die Reise nicht zur Fahrleistung wird.
5. Rundreise oder Gruppenreise: allein losfahren, gemeinsam unterwegs sein
Nicht jede Frau, die ohne Reisepartner startet, möchte auch die gesamte Reise allein verbringen. Organisierte Rundreisen, Wanderreisen oder kleine Gruppenreisen können deshalb eine interessante Mischung sein. Man muss sich dabei weder um Transfers noch um die tägliche Routenplanung kümmern und kommt automatisch mit anderen Menschen in Kontakt. Gerade bei Ländern, die man sich allein nicht zutraut oder deren Organisation kompliziert wäre, kann eine Gruppe Möglichkeiten eröffnen, die man sonst vielleicht ausschließen würde.
Dabei würde ich allerdings genauer hinsehen: Wie groß ist die Gruppe, und wie ist ungefähr die Altersstruktur? Gibt es ein Einzelzimmer, und kostet es Aufpreis? Und vor allem: Wie viel Zeit bleibt zwischendurch für mich selbst? Denn nur weil ich gern mit anderen unterwegs bin, möchte ich trotzdem nicht vom Frühstück bis zum Abendessen permanent Teil einer Gruppe sein.

6. Wander- und Aktivreisen
Wer gern wandert oder Rad fährt, kann heute zwischen ganz individuellen und organisierten Reisen wählen. Man kann allein losziehen, sich einer geführten Gruppe anschließen oder eine Reise buchen, bei der Unterkünfte, Route und Gepäcktransport bereits organisiert sind.
Gerade diese Zwischenform finde ich spannend: Man ist tagsüber unabhängig unterwegs, muss abends aber nicht nach einer Unterkunft suchen und trägt nicht das ganze Gepäck auf dem Rücken. So bleibt die Kraft für das, worum es eigentlich geht.
7. Reisen mit dem Camper
Der eigene Camper verspricht maximale Freiheit und gleichzeitig einen privaten Rückzugsort. Das kann gerade allein sehr angenehm sein, weil die eigenen Sachen immer dabei sind, man nicht ständig ein- und auspacken muss und die Route spontan ändern kann.
Ganz so günstig und romantisch, wie Vanlife auf Instagram manchmal aussieht, ist es allerdings nicht. Camper sind teuer in Anschaffung oder Miete, Stell- und Campingplätze kosten inzwischen oft 30 oder 40 Euro pro Nacht, und Reparaturen gehören ebenfalls dazu. Allein kommt außerdem die Frage hinzu, an welchen Orten man sich nachts wohl und sicher fühlt.
Wer diese Art zu reisen ausprobieren möchte, muss deshalb nicht gleich einen Van kaufen. Ein gemieteter Camper für eine Woche zeigt ziemlich schnell, ob einem das Leben auf wenigen Quadratmetern überhaupt gefällt.
8. Flusskreuzfahrt und Kreuzfahrt
Auch eine Flusskreuzfahrt kann für Alleinreisende interessant sein: Man sieht mehrere Orte, ohne die Unterkunft wechseln und den Koffer neu packen zu müssen. Gleichzeitig gibt es organisierte Ausflüge und andere Menschen an Bord, ohne dass man zwingend den ganzen Tag gemeinsam verbringen muss. Nachteile sind vor allem die teilweise hohen Preise für Einzelkabinen und der feste Reiseplan.
Auch klassische Hochseekreuzfahrten werden von Alleinreisenden genutzt. Für mich persönlich sind sie aus anderen Gründen keine bevorzugte Reiseform – warum, habe ich in meinem Artikel über Kreuzfahrten ausführlicher beschrieben.
Welche Reise passt zu mir?
Vielleicht ist das die falsche Frage. Interessanter ist: Was wünsche ich mir gerade von meiner Reise?
Möchte ich meine Ruhe haben oder Menschen kennenlernen? Möglichst wenig organisieren oder viel sehen? Suche ich eine Herausforderung, oder möchte ich zwei Wochen lang gut essen und Bücher lesen? Oder will ich endlich dieses eine Land bereisen, für das sich seit Jahren niemand in meinem Umfeld begeistern kann?
Alleinreisen bedeutet schließlich nicht, dass man sich für einen bestimmten Reisestil entscheiden muss. Die eine Reise kann eine organisierte Rundreise sein, die nächste ein Roadtrip und danach vielleicht einfach eine Woche in einem schönen Hotel.
Der entscheidende Vorteil bleibt bei allen Varianten derselbe: Dieses Mal muss niemand außer mir Lust darauf haben.









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